Pierre Bergounioux
Ein Zimmer in Holland
Descartes und das europäische Denken
Aus dem Französischen von Margret Millischer und Werner Rappl
Kommentare und Nachwort von Werner Rappl
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In diesem kurzen, von der französischen Kritik vielbeachteten philosophischen Essay arbeitet Pierre Bergounioux die besondere Rolle des Denkens von René Descartes vor dem historischen Hintergrund des Dreißigjährigen Krieges heraus. Bergounioux sondiert die Vergangenheit nach den versteckten Wurzeln unserer Gegenwart. Im Hinblick auf die nach wie vor umstrittene politische Einigung des Kontinents treten Francis Bacon und Spinoza als Weggefährten ebenso auf wie Shakespeare und Cervantes.
In knapper Montage gelingt es Bergounioux, die lebensgeschichtliche Entwicklung Descartes’, seine Reisen, Begegnungen und Auseinandersetzungen in den Salons und auf den Schlachtfeldern in Engführung mit seinen wissenschaftlichen und philosophischen Werken zu verweben.
Die Suche nach einem reinen Bewusstsein, das sich selbst hervorbringt und die Welt rational zu erfassen versteht, hat nicht unbeträchtliche Hindernisse zu überwinden. Der Rückzug in die relativ friedlichen und toleranten Niederlande bietet dabei gute Voraussetzungen für die Geburt dieses Denkens.
Biographisches:
Pierre Bergounioux, geb. 1949, zählt in Frankreich zu den wichtigen Autoren der Nachkriegsgeneration. Sein umfangreiches Werk umfasst Romane, Essays, literaturkritische Texte und Tagebücher. Immer wieder widmet er sich den Fragestellungen des Ursprungs und der Entwurzelung, im geographischen wie auch im ontologischen Sinn. Wenn Bergounioux die Vergangenheit durchstreift, so sucht er nach den Wurzeln des Ursprungs im Boden, in der Landschaft, nach der Genese aus dem Untergrund unseres Lebens, wie er es in seinem Werk Geologies (Galilée, 2013) selbst nannte. Die Kindheit und die Zeit bilden zwei Pole zwischen denen sich sein häufig autobiographisch grundiertes literarisch-philosophisches Schaffen seit über 30 Jahren entfaltet.
Margret Millischer arbeitet als Übersetzerin und Dolmetscherin sowie als Lehrbeauftragte am Zentrum für Translationswissenschaft der Universität Wien. Übersetzungen u.a. von Jean-Michel Maulpoix, Bernard Noël, Driss Chraïbi.
Werner Rappl ist Theaterwissenschaftler und Übersetzer sowie Mitgestalter von Ausstellungen vor allem zu Aby Warburgs Mnemosyne-Atlas; Katalogbeiträge zu Aby Warburg, Guy Debord, Alexander Kluge, Übersetzungen u.a. von Daniel Defoe, Jean-François Lyotard, Jacques Derrida.
»Une chambre en Hollande« erschien bei Èditions Verdier, Lagrasse/Paris 2009
131 S., € 16,-
Broschur mit Fadenheftung
ISBN 978-3-85132-866-0
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EAN: 9783851328660