AUGUSTE COMTE
Auguste Comte - System der positiven Politik
Vier Bände
Aus dem Französischen übersetzt von Jürgen Brankel
»Système de Politique Positive« erschien 1851-1854 in vier Bänden

Band I.1
390 S., EUR 30,- ISBN 978-3-85132-381-5
Band I.2
296 S., EUR 30,-, ISBN 978-3-85132-423-5
Band II
412 S., EUR 40,-, ISBN 978-3-85132-495-1
Band III
526 S., EUR 50,- ISBN 978-3-85132-553-9
Band IV
461 S., EUR 40,- ISBN 978-3-85132-554-6

 

Kaum ein Denker des 20. Jahrhunderts konnte das Werk Auguste Comtes ignorieren. Der wichtigste Einfluss Comtes bestand in seiner Ablehnung jeglicher Ontologie als bloß metaphysischer Spekulation, in der Begründung des ursprünglichen »Positivismus« und dem Entwurf der Soziologie als Wissenschaft.

Lange galt die »Vorlesung über die positive Philosophie« als Comtes Hauptwerk. Gegen Ende des letzten Jahrhunderts setzte sich jedoch die Auffassung durch, dass das »System der positiven Politik« diesem ebenbürtig, wenn nicht überlegen ist.

Übersicht:

Im ersten Band geht schon aus der »Widmung« und dem »Einführenden Diskurs« deutlich hervor, dass Comte mit dem Übergang von der »Philosophie« zur »Politik« sein Wertesystem auf den Kopf stellt: Statt Wissenschaft und Theorie wird nun eine Affektenlehre zur Grundlage eines Entwicklungsmodells der Gesellschaft.

Im zweiten Halbband des ersten Bandes vom System der positiven Politik greift Comte noch einmal auf die Ergebnisse des »Cours de philosophie positive« zurück und vergleicht diese mit dem Ziel der Folgebände. Es geht also um die Frage nach dem Verhältnis der Hierarchie der harten Wissenschaften zur Eigenart des Gesellschaftlichen - zu Soziologie und Moral -, wobei dessen Grundlagen zum Teil wiederum auf Kosmologie oder auf Biologie bezogen sind.

Im zweiten Band des »Systems« behandelt Comte die soziale »Statik«, welche mit der Synchronie des Saussure'schen Strukturalismus vergleichbar ist. Diese Untersuchung steht in Korrespondenz zum dritten Band, der die soziale Dynamik, den geschichtlichen Aufriss, thematisiert. Des Näheren werden im zweiten Band die Religion, das Privateigentum, die Familie, die Sprache, die vom Priestertum beherrschte soziale Ordnung und schließlich die Möglichkeiten der Veränderbarkeit der sozialen Existenz behandelt, welche der Gegenstand des vierten und letzten Bandes ist.

Der dritte Band des Comteschen System der positiven Politik ist, grob gesehen, eine Anwendung der Drei-Stadien-Theorie auf das Gesamt der Geschichte, dieser Band ist also dynamisch. Während die Fetischisten vor allem mit der beginnenden Sternverehrung spekulativ waren und der Polytheismus die Tendenz zur Spekulation fortsetzt – griechische Ausarbeitung –, werden die Römer dann die Aktivität in den Vordergrund stellen. Erst das Mittelalter sollte im Rahmen des Rittertums die Affektivität entwickeln. Obgleich der Positivismus mit seiner positiven Religion den Universalismus anstrebt, ist zu bemerken, dass der Geschichtsaufriss Comtes eurozentrisch ist. So wird die chinesische Geschichte nur in Andeutungen gestreift.

Der vierte Band des System der positiven Politik ist dann das Ziel der drei vorhergehenden Bände, und der Leser wird durch die hier entwickelte Utopie nicht enttäuscht werden. Das Erziehungssystem wird im Detail entworfen, die Regierungsform wird als Diktatur näher charakterisiert, die Frau wird utopisch als Mutter-Jungfrau prognostiziert, die Stadtplanung mit ihren Arbeiterwohnungen – 13 Zimmer pro Wohnung – wird entworfen. Kurzum es handelt sich um eine echte Utopie, die laut Comte nicht die Fehler Platons und der anderen anarchistischen Vorgänger bzw. Zeitgenossen wiederholt. – Die Diktatur Comtes nimmt gewissermaßen den Stalinismus vorweg, da die Moral durch die gegenseitige Ăśberwachung der Bürger durchgesetzt werden soll. Der vierte Band des Systems ist also der soziologisch gesehen reichste Band des ganzen Werks.

Biographisches:
Isidore-Auguste-Marie-François-Xavier Auguste Comte (1798 - 1857) arbeitete als Wissenschaftstheoretiker, Mathematiker und Soziologe und gilt als Begründer des Positivismus. Comte lebte als Privatgelehrter und Schriftsteller; alle Versuche, eine akademische Position zu erhalten, scheiterten. Bis zu seinem Tod am 5. September 1857 in Paris war er auf die finanzielle Unterstützung seiner Freunde und Anhänger angewiesen.

Jürgen Brankel (1943-2013), studierte Literaturwissenschaft und Philosophie und schloss mit einem Doktorat an der Sorbonne und mit dem Staatsexamen in Hamburg ab. Seit den 1990er Jahren widmete er sich ausschließlich der wissenschaftlichen Forschung und Übersetzungen aus dem Spanischen und Französischen. Für Turia + Kant übersetzte er v.a. Vladimir Jankélévitch und zuletzt François Wahl.