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Anna Luhn
Spiel mit Einsatz
Experimentelle Übersetzung als Praxis der Kritik
Hg. von Thomas Macho

Angesichts der Entwicklung maschineller Übersetzungstechnologien stellte sich bereits in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Frage nach Theorie, Praxis und Selbstverständnis des Übersetzens noch einmal mit neuer Dringlichkeit. Im Ringen um den ›richtigen‹ Zugriff auf die uralte Kulturtechnik brachten die oft normativ gefärbten Debatten der 1970er Jahre bemerkenswerte Neukonzeptionen gegen die translatorische Doxa hervor. Zeitgleich setzten zahlreiche Autor:innen tradierte Übersetzungsdogmen und -methoden aus der poetischen Praxis heraus buchstäblich ins und aufs Spiel. Im lustvollen Ausreizen ihrer Möglichkeiten wird Übersetzung in diesen Versuchen zum epistemologischen Schlüsselkonzept und kritischen Instrumentarium. Ihr Fluchtpunkt ist nichts weniger als die Grundlegung soziopolitischer Ermächtigung des Subjekts durch eine Neukalibrierung des Sprachdenkens.

Der vorliegende Essay nimmt die historischen Konstellationen um die experimentellen Übersetzungsformen und -theorien in den Blick und geht ihren Kontinuitäten, Neu- und Wiederaneignungen nach, die bis in die jüngste Gegenwart reichen.

Biographisches:
Anna Luhn ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Exzellenzcluster Temporal Communities: Doing Literature in a Global Perspective an der Freien Universität Berlin. Sie forscht dort aktuell zu experimentellem Übersetzungs­denken im 20. und 21. Jahrhundert und digitaler literarischer Praxis. Weitere Forschungs­schwerpunkte sind die europäischen Avantgardebewegungen, Körper- und Formkonzepte der Moderne, literarischer Aktivismus, formales Engagement und Tendenzkunst. Neueste Publikation: Überdehnung des Möglichen. Dimensionen des Akrobatischen in der Literatur der europäischen Moderne (Göttingen 2022).
Bibliographisches:
Buchdetails . . . ▽
ISBN 978-3-98514-054-1
12 x 20 cm, 160 S., € 19,-
Erstauflage: 2022

Lieferbarkeit :
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EAN: 9783985140541
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