Ulrike Kadi
Bilderwahn. Arbeit am Imaginären
Zwei verrückte Frauen reißen zwei anderen die Augen aus und ermorden sie danach bestialisch. 1933 schreibt Jacques Lacan einen Artikel über die beiden kranken Schwestern in der surrealistischen Zeitschrift Le Minotaure Hier fällt es zum ersten Mal auf: Das Auge, die Paranoia und die Frau sind bei Lacan in besonderer Weise verknüpft. Alle drei spielen gemäß seiner viel später entworfenen Lehre von den drei Registern eine besondere Rolle im Imaginären. Und gemeinsam werden sie von einer Minderbewertung getroffen, deren Hintergrund in diesem Band betrachtet wird.
Woher rührt Lacans Okulophobie? Was verliert er aus den Augen, wenn er das Sehen dem Hören unterordnet? Welche historischen und zeitgenössischen Einflüsse bestimmen sein Verhältnis zu Blicken und Bildern? Die Paranoia bildet den Ausgangspunkt des Denkens des, seiner anfänglichen Tätigkeit nach, Psychiaters. Jedes normale Weltverhältnis findet er von ihren Symptomen durchsetzt. Die Frau dominiert als Mutter das (optisch bestimmte) Imaginäre, jenen Bereich, der für jedes Ich (moi) durch paranoische Verkennung charakterisiert ist. Die Drohung der Verrücktheit geht von der Frau aus.
Es lohnt sich, das Frauenbild in Lacans Psychosentheorie unter die Lupe zu legen, weil es sein späteres Verhältnis zum Weiblichen deutlich beeinflusst.
Biographisches:
Ulrike Kadi lebt und arbeitet als Philosophin und Medizinerin in Wien.
256 S., € 22,-
Broschur mit Fadenheftung
ISBN 978-3-85132-168-5
[vergriffen]
EAN: 9783851321685