Pierre Legendre
Die Liebe des Zensors
Versuch über die dogmatische Ordnung
Aus dem Französischen von Marina Laurent
Die gegenwärtige abendländische Gesellschaft ist das Ergebnis der direkten und indirekten Fortführung der dogmatischen Ordnung, deren Grundlagen im mittelalterlichen kanonischen Recht zu verorten sind. Hinter dem fortschrittlich-liberalen Schein verbirgt sich die alte, archaische Logik des Glaubens an eine allmächtige Vaterinstanz. Während raffiniertere Zensurmechanismen suggerieren, es gäbe keine absolut bindenden Autoritäten mehr und die moderne Gesellschaft sei am Ende der Geschichte angelangt, bleibt der phantasmatische Zensor im Amt. Er gibt nach wie vor einen allwissenden Vater-Pontifex, der Anspruch auf Liebe hat.
Mit diesem Buch, zentral in Legendres Œvre, entwarf Legendre die Grundlinien einer »dogmatischen Anthropologie«, die die mittelalterliche Dogmatik aufheben und überwinden soll.
Biographisches:
Pierre Legendre, geb. 1930, ist Rechtshistoriker und Psychoanalytiker. Nach dem Abschluss des Rechtsstudiums 1957 begann er seine psychoanalytische Ausbildung bei Jacques Lacan. Sein umfangreiches Werk widmet sich der mittelalterlichen Verknüpfung von Römischem Recht und Christentum und deren Folgen für die Gegenwart. Er lehrte Rechtsgeschichte an der Universität Paris I (Sorbonne) und an der religionswissenschaftlichen Abteilung der École pratique des Hautes Études.
Marina Laurent studierte Kulturwissenschaften an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und ist als freie Übersetzerin tätig. Zurzeit arbeitet sie an einer Dissertation über Pierre Legendres Die Liebe des Zensors an der Universität Luxemburg.
»L’Amour du censeur. Essai sur l’ordre dogmatique« erschien bei Editions du Seuil, Paris 1974
314 S., € 36,-
Broschur mit Fadenheftung
ISBN 978-3-85132-596-6
[lieferbar]
EAN: 9783851325966
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