Maldiney - Verstehen HENRI MALDINEY

Verstehen

Mit einem Vorwort von Bernhard Waldenfels

Aus dem Franz. von Sabine Metzger
»Comprendre« erschien 1961 in der Revue de Métaphysique et de Morale
124 S. , EUR 15,-
Paperback mit Klappen
ISBN 978-3-85132-460-0, 2006
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Die erste kleine deutsche Buchveröffentlichung Henri Maldineys wird von Bernhard Waldenfels sachkundig eingeleitet und verortet.
Maldiney geht es beim Begriff des Verstehens weder um den Gegenbegriff zum Erklären noch um das Verstehen als eine Grundkategorie des Daseins im Sinne der Hermeneutik. Er versteht das Verstehen gleichsam praktischer, als Zugang zur Welt, der zwischen Heideggers fundamentalontologischer Daseinsanalytik und einer Freud zugeschriebenen naturalistischen Verengung der Psychoanalyse hindurch führt. Das Grundmotiv des Verstehens verbindet sich mit dem der Wahrnehmung.

Ein Beispiel der Erprobungsfelder für ein Verstehen, das dem Unverständlichen Raum gibt, liefert die Psychoanalyse: Die Traumanalyse versteht tendenziell den Sinn einer Existenz, »die sich in ihrem Erscheinen verbirgt«. Von Maldineys Verstehensbegriff fällt auch ein erhellendes Licht auf klassische Themen wie Identifizierung, Widerstand und Übertragung. Wie bei Lacan hat es das Verstehen imgrunde immer mit Formen einer gelebten Unmöglichkeit zu tun.

Berhard Waldenfels resummiert im Vorwort: »Es macht den besonderen Reiz dieses Textes aus, daß der aus Phänomenologie und Hermeneutik, aus Psychoanalyse und Psychopathologie gewonnene Grundriß nach allen Seiten hin überschritten wird. Dies führt zu Ausflügen in die Tierwelt, in die Welt des kindlichen Spiels, in die Bild- und Dichtkunst. Wir stoßen auf die Strichführung bei Klee und Kandinsky, wir geraten in die fremdartige Eingangsszene von Kafkas Schloß ... «

Biographisches:
Henri Maldiney, geb. 1916, lehrte Philosophie, vor allem Philosophische Anthropologie und Ästhetik, in Lyon, abseits der Pariser Großszene. Maldineys anthropologisches Denken ist in weitem Maße der Daseinsanalyse von Ludwig Binswanger verpflichtet. Diesen Bezug teilt er mit Merlau-Ponty ebenso wie mit Foucault.
Sabine Metzger unterrichtet am Lehrstuhl für Anglistik an der Universität Mannheim.