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In der avantgardistischen Moderne verschwindet der Bezug auf christliche Vorstellungen und Denkfiguren nicht, auch wenn das (Kirchen-)Christentum mit Spott und Gelächter verabschiedet wird. An die hyperchristliche Struktur der Avantgarde zu erinnern ist notwendig, weil Begriffe wie »säkulare Gesellschaft« und »autonome Kunst« mittlerweile vor allem dazu dienen, den messianischen Glutkern emanzipatorischer Kritik zu neutralisieren. Brecht und Malraux, Brinkmann und Deleuze begegnen dem (Kultur-)Business der Moderne nur dort, wo sie es bekämpfen: »Wir bedürfen eines Glaubens, was die Idioten natürlich zum Lachen bringt. Es ist kein Bedürfnis, an etwas anderes zu glauben. Wir müssen an diese Welt glauben - zu der auch die Idioten gehören.« (Gilles Deleuze)
Biographisches:
Clemens Pornschlegel ist Professor für neuere deutsche Literatur an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Zusammen mit Georg Mein gibt er die Schriften Pierre Legendres heraus. Zuletzt ist von ihm in Frankreich erschienen: »Penser l’Allemagne. Littérature et politique aux XIXe et XXe siècle, Paris, Fayard 2009«.
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