WERNER MICHAEL SCHWARZ
Anthropologische Spektakel
Zur Schaustellung »exotischer« Menschen, Wien 1870 – 1910
Cover
Zwischen 1870 und 1910 werden in Wien zahlreiche Gruppen »exotischer« Menschen zur Schau gestellt. Dem Publikum wird zunächst das basale Register ethnischer Differenz geboten – Tänze, Umzüge, Musik, Küche. Darüberhinaus, was sich als besonders anziehend erweisen sollte, erhalten die Besucher Gelegenheit das »Leben« der »exotischen Menschen« in den eigens errichteten »Dörfern« hautnah zu beobachten.

Die Schaustellungen werden in zahlreichen Medien repräsentiert, in Presse, Literatur, Musik, Film oder Fotografie. Schaustellungen wie das »Ashanti-Dorf« versetzen Wien in Begeisterung, Kommentatoren sprechen von »Ashanti-Fieber«. Dieses Buch fragt nach der Funktion dieser Schaustellungen, speziell im Wiener Kontext und nach den Gründen des außergewöhnlichen Erfolges. Das Sprechen über »exotische« Menschen in den repräsentierenden Medien erweist sich als ein Sprechen über das Fremde und das Vertraute in der eigenen Gesellschaft. Diskurse über das »Wilde« und »Exotische« werden mit Antisemitismus, politischen Konflikten, mit Diskursen über Sexualität, Geschlecht und Rasse verknüpft. Funktion und Erfolg dieser Schaustellungen liegen weniger in einer Popularisierung des europäischen Imperialismus als in der Verarbeitung von Problemen und Konflikten der modernen und urbanen Gesellschaft.

Zur Person
Werner Michael Schwarz, Historiker und Germanist, 1998/99 Junior Fellow am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften, ist Lektor an den Universitäten Jerewan, Bishkek, Almaty und Taschkent. Bei Turia + Kant erschien Kino und Kinos in Wien (1992)
Details zum Buch
272 S., € 22,-
Broschur mit Fadenheftung
ISBN 978-3-85132-285-9 [vergriffen]
EAN: 9783851322859
Letztes Update: 06.10.2018
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