Grenzen des Kulturkonzepts
Meta-Genealogien
Hg. von Stefan Nowotny / Michael Staudigl
Das Konzept der Kulturwissenschaften, das in den letzten Jahren eine Abwendung von den reinen Fachwissenschaften und eine inter- bzw. transdisziplinäre Forschung anstrebt, wirft Probleme auf. Vor allem: Was ist Kultur? Nicht nur im Feuilleton, auch in den Wissenschaften beschränkt man sich, unter Verweis auf die historische Bedingtheit des Kulturbegriffs, allzu oft darauf, Analysen im Namen der »Kultur« durchzuführen, ohne dem Begriff selbst große Beachtung zu schenken. So schrieb etwa Richard Johnson, in den 80er Jahren Direktor des berühmten Birmingham Centre for Contemporary Cultural Studies: »Obwohl ich also unter der Flagge der Kultur segele und das Wort, wo Genauigkeit nicht unbedingt erforderlich ist, auch weiterhin benutze, suche ich im Hinblick auf Definitionen andere Begrifflichkeiten.« Verschiedene Publikationen versuchen in letzter Zeit, die Herkunft und Bedeutung des Kulturkonzepts zu rekonstruieren (z. B. Terry Eagletons Was ist Kultur?). In diesem sorgfältig komponierten Sammelband werden sowohl theoretische Ansätze als auch historische und gegenwärtige Problemfelder des Kulturbegriffs analysiert.

Vorbemerkung der Herausgeber

1. Theoretische Grenzziehungen

Hakan Gürses - Funktionen der Kultur. Zur Kritik des Kulturbegriffs
Stefan Nowotny - »Kultur« und Machtanalyse
Boris Buden - Cultural Translation: ein überforderter Begriff
Michael Staudigl - Das Trauma und die Logik des kulturellen Apparates

2. Grenzverhältnisse

Alain David - Rassismus, Antisemitismus und die Philosophie
Giovanni Leghissa - Das Museum als Metapher des anthropologischen Diskurses
Hans Rainer Sepp - Über die Grenze. Kulturelle Differenz im Ausgang von Jan Patockas Philosophie der Geschichte
Klaus Neundlinger / Helmut Neundlinger - Die entfernte Wirkung

3. Ortungen des Kritischen

Sandra Lehmann - Neue Welt, sanfter Terror
Rolf Kühn - Kultur und Formen des Nihilismus
Marc Maesschalck / Tom DeDeurwaerdere - Ist eine Kultur des Lebens möglich?
Gerald Raunig - Bruchlinien des Schönen. Heterogenese politischer Ästhetik

Biographisches:
Stefan Nowotny: Doctoral Research Fellow am Centre de Philosophie de Droit an der Université Catholique de Louvain, Vorstandsmitglied und Brüssel-Korrespondent des European Institute for Progressive Cultural Policies (Wien); Herausgeber von Michel Henry. Zur Selbsterprobung des Lebens und der Kultur (2002, gem. mit Rolf Kühn), Autor zahlreicher Artikel u. a. zur Theorie des Kulturbegriffs, politischen Philosophie und Phänomenologie.
Michael Staudigl: Studium der Philosophie und Politikwissenschaft, bis 2001 wissenschaftliche Tätigkeit im Bereich der Sozialpsychiatrie, zuletzt Junior Fellow am Center for Phenomenological Research und Lehrbeauftragter an der Karls-Universität Prag; Autor von Die Grenzen der Intentionalität (2003) und von zahlreichen Publikationen zur Phänomenologie.
222 S., € 22,-
Broschur mit Fadenheftung
ISBN 978-3-85132-351-1
[vergriffen]
EAN: 9783851323511