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(Raphaela Edelbauer, Dave, 2021) Die digitale Aufrüstung des ..." />
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Marie-Luise Angerer
Nichtbewusst
Affektive Kurzschlüsse zwischen Psyche und Maschine
Hg. von Thomas Macho

»Eine durchschaubare Psyche, an der man so viele Experimente durchführen kann, wie man will.«
(Raphaela Edelbauer, Dave, 2021)
Die digitale Aufrüstung des Sozialen und Psychischen schreitet voran. Social media, verkabelte Infrastrukturen und autonome technische Artefakte bestimmen das Bild einer Gesellschaft, die in immer komplexeren Gefügen agiert. Die zunehmende Präsenz von nonhumanen Agenten (nicht nur in Film und Literatur), die Entwicklung von smarten Objekten und die sensortechnologische Ausstattung des menschlichen Körpers und der Umwelt führen zu Kurzschlüssen zwischen humaner und nonhumaner agency, die nicht mehr unbewusst, sondern nichtbewusst sind. Das Unbewusste der Psychoanalyse ist an ein humanes (sprachlich-symbolisch organisiertes) Subjekt gekoppelt, der Begriff nichtbewusst verbindet hingegen technische, mentale und körperliche Prozesse und ist damit nicht mehr ausschließlich dem Menschen zuzuordnen. Doch wie ist dieses ‚nichtbewusst‘ zu fassen: ist es etwas Zusätzliches, ist es eine neue Zone, die sich zwischen unbewusst und bewusst schiebt, oder wird durch die Unterscheidung von unbewusst und bewusst dadurch insgesamt in Frage gestellt?

Manches deutet auf die zweite Entwicklung hin. Denn spätestens mit der Kybernetik werden technische und neuronale Prozesse zusammen gedacht. Gilbert Simondon hat die technische und humane Entwicklung als einen Prozess verstanden. Catherine Malabou führt den Begriff des cerebral nonconscious ein, um das psychoanalytische Unbewusste in ein nichtbewusstes Gehirn überzuführen, und N. Katherine Hayles spricht von nonconscious cognition, um das Zusammenwirken von neuronalen und technischen Prozessen zu benennen. Doch all diesen Unternehmungen, die diese (intensiven) Beziehungen von Gehirn und Maschine zu fassen suchen, fehlt ein wesentliches Moment der Verkopplung und psychischen Integration.

Hierfür wird der Begriff des Affektiven eingeführt, der als technischer Terminus die Bewegungen des Schließens, Unterbrechens und Übersetzens zwischen human und nonhuman bezeichnet. Dadurch werden die Kurzschlüsse von psycho-technischen Prozessen als nichtbewusste Taktung von Bewegungs- und Zeitformationen fassbar.

Biographisches:
Marie-Luise Angerer (geb. in Bregenz, Österreich) ist Professorin für Medientheorie an der Universität Potsdam, Geschäftsführende Direktorin des Brandenburgischen Zentrums für Medienwissenschaften in Potsdam sowie Sprecherin des Forschungskollegs Sensing. Vom Wissen sensibler Medien. Forschungsaufenthalte in den USA (Santa Cruz, San Diego), Kanada (Ottawa), Australien (Sydney). Gastprofessuren an der Hochschule der Künste Berlin (1997) und der Central European University in Budapest (1998), Vertretungsprofessur am Institut für Medienwissenschaft der Ruhruniversität Bochum (1998-2000) sowie Professorin für Medien- und Kulturwissenschaften/Gender Studies an der Kunsthochschule für Medien Köln (2000-2015): Website.
Bibliographisches:
Buchdetails . . . ▽
ISBN 978-3-98514-019-0
12 x 20 cm, ca. 100 S., ca. € 14,-
Paperback mit Klappen
In Vorbereitung für Nov. 2021. EAN: 9783985140190