Christiane Rothländer
Karl Motesiczky (1904-1943)
Eine biographische Rekonstruktion
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Dies ist die erste umfassende Biographie der bisher weitgehend unbekannt gebiebenen Persönlichkeit im Umfeld von Psychoanalyse und politischem Aktivismus in der Zwischenkriegszeit.

Karl Motesiczky, 1904 in Wien geboren, entstammte einer wohlhabenden jüdischen Bankiersfamilie. Während seines Studiums wandte sich Motesiczky dem Kommunismus zu und wurde Patient und Schüler des Psychoanalytikers und Sexualpolitikers Wilhelm Reich. Er emigrierte aus dem austrofaschistischen Österreich nach Skandinavien, wo er in den 30er-Jahren am Aufbau der Sexpol-Bewegung mitarbeitete. Als politischer Sprecher der Gruppe publizierte er zahlreiche Arbeiten in deren Organ, der Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie. Ende 1937 kehrte er nach Wien zurück und blieb nach dem »Anschluss« in Österreich, obwohl er als »Mischling I. Grades« den Repressionen des Nazi-Regimes ausgesetzt war. Auf seinem Anwesen in der Hinterbrühl bot er verfolgten FreundInnen Unterschlupf und initiierte eine psychoanalytische Arbeitsgruppe, geleitet von August Aichhorn. 1942 versuchte er, gemeinsam mit Ella und Kurt Lingens, polnische Juden in die Schweiz zu schmuggeln. Die Gruppe wurde verraten und Motesiczky zusammen mit Ella Lingens ins KZ Auschwitz deportiert, wo er am 25. Juni 1943 starb. 1980 wurden Karl Motesiczky, Ella und Kurt Lingens vom Staat Israel als »Gerechte unter den Völkern« ausgezeichnet.

Biographisches:
Christiane Rothländer ist Historikerin, arbeitet derzeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Rechts- und Verfassungsgeschichte der Universität Wien und ist Mitglied der Arbeitsgruppe der Wiener Psychoanalytischen Akademie zum Forschungsprojekt Brüche und Kontinuitäten in der Geschichte der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung 1938-1946.
Lieferbarkeit | Details . . . ▽
ISBN 978-3-85132-537-9
Auflage: 2010
vergriffen
16 x 24 cm, 378 S., € 32,-
Broschur mit Fadenheftung
EAN: 9783851325379